Die sechs Mündungen: Novellen by Kasimir Edschmid

(16 User reviews)   6635
By Brenda Hill Posted on Dec 21, 2025
In Category - Medical Research
Edschmid, Kasimir, 1890-1966 Edschmid, Kasimir, 1890-1966
German
Hey, I just read this collection of six short stories from 1915 Germany, and it's like stepping into a time capsule of pre-war tension. The title 'Die sechs Mündungen' (The Six Mouths) is perfect—each story feels like a different person telling you their truth about a society on the edge. It's not a happy book, but it's fascinating. You get these intimate, sometimes unsettling portraits of artists, lovers, and lonely souls all trying to find meaning as their world feels like it's about to crack. If you like historical fiction that gets under the skin of an era rather than just describing the big events, this is a hidden gem.
Share

Read "Die sechs Mündungen: Novellen by Kasimir Edschmid" Online

This book is available in the public domain. Start reading the digital edition below.

START READING FULL BOOK
Instant Access    Mobile Friendly

Book Preview

A short preview of the book’s content is shown below to give you an idea of its style and themes.

ganzen Winter verlebten wir, Katja, Ssonja und ich, auf dem Lande. Katja war eine alte Freundin unseres Hauses, unsere Gouvernante, die uns alle großgezogen hatte, und die ich kannte und liebte, seit ich mich meiner überhaupt erinnere. Ssonja war meine jüngere Schwester. Wir verlebten einen düsteren und traurigen Winter in unserem alten Hause zu Pokrowskoje. Das Wetter war kalt, und der Wind hatte die Schneewehen bis über die Fensterhöhe herangefegt; die Fenster waren immer vereist und undurchsichtig, und wir gingen und fuhren fast den ganzen Winter nicht aus. Nur selten kam jemand zu uns, und wenn auch jemand kam, so brachte er uns weder Fröhlichkeit noch Freude ins Haus. Alle hatten traurige Mienen, alle sprachen so leise, als fürchteten sie, jemand zu wecken, niemand lachte, alle seufzten und weinten oft, wenn sie mich und besonders die kleine Ssonja in ihrem schwarzen Kleidchen ansahen. Im Hause ließ sich noch die Gegenwart des Todes spüren; Trauer und Todesgrauen erfüllten die Luft. Mamas Zimmer war geschlossen, und es war mir unheimlich zumute, und ich fühlte mich zugleich hingezogen, in dieses kalte und leere Zimmer hineinzublicken, sooft ich auf dem Wege nach meinem Schlafzimmer vorbeimußte. Ich war damals siebzehn Jahre alt, und Mama hatte noch im gleichen Jahre, als sie starb, die Absicht gehabt, in die Stadt zu übersiedeln, um mich in die Gesellschaft einzuführen. Der Verlust meiner Mutter bedeutete für mich einen schweren Kummer, aber zu diesem Gefühl gesellte sich, ich muß es gestehen, auch noch der Gram darüber, daß ich, die ich, wie mir alle sagten, jung und hübsch war, schon den zweiten Winter in der ländlichen Einöde nutzlos verbringen mußte. Kurz vor dem Ende des Winters steigerte sich das Gefühl der Trauer, der Einsamkeit und auch der gewöhnlichen Langweile dermaßen, daß ich mein Zimmer nicht mehr verließ, mein Klavier nicht mehr öffnete und kein Buch in die Hand nahm. Wenn Katja mir zuredete, ich solle das eine oder andere beginnen, so antwortete ich ihr: »Ich habe keine Lust, ich kann nicht!« In meinem Herzen regte sich aber die Frage: -- Wozu? Warum soll ich etwas beginnen, wenn meine beste Zeit unnütz dahingeht? Wozu? -- Und auf dieses »Wozu« gab es keine andere Antwort als Tränen. Man sagte mir, ich sei während dieser Zeit mager geworden und hätte viel von meiner Schönheit eingebüßt, aber auch das interessierte mich nicht. Wozu? Für wen? Mir schien, als müsse mein ganzes Leben in dieser Einöde, in dieser hilflosen Trauer dahingehen, aus der mich zu befreien ich selbst keine Kraft und nicht einmal den Willen hatte. Gegen Ende des Winters nahm sich Katja, die um mich sehr besorgt war, vor, mich unbedingt ins Ausland zu bringen. Dazu brauchte man Geld, wir wußten aber kaum, was uns nach dem Tode unserer Mutter geblieben war und erwarteten von Tag zu Tag unseren Vormund, der kommen sollte, um die Vermögensverhältnisse zu klären. Im März kam der Vormund. »Nun, Gott sei Dank!« sagte mir einmal Katja, als ich wie ein Schatten, müßig, ohne Gedanken und ohne Wünsche von Winkel zu Winkel irrte. »Ssergej Michailytsch ist angekommen, hat schon nach uns gefragt und sich zum Mittagessen angemeldet. Nimm dich zusammen, Maschetschka,« fügte sie hinzu. »Was soll er von dir denken? Er hat ja euch alle so sehr geliebt.« Ssergej Michailytsch war unser naher Nachbar und mit unserem verstorbenen Vater befreundet gewesen, obwohl er viel jünger war als dieser. Ganz abgesehen davon, daß seine Ankunft alle unsere Pläne über den Haufen warf und uns die Möglichkeit gab, aus der ländlichen Einöde herauszukommen, war ich schon von der frühesten Kindheit an gewöhnt, ihn zu lieben und zu achten, und Katja hatte, als sie...

This is a limited preview. Download the book to read the full content.

The Story

This isn't one story, but six distinct snapshots of German life right before World War I. Each 'mouth' is a different character's voice. You meet a painter obsessed with capturing fleeting light, a couple whose love is strained by outside pressures, and isolated figures wrestling with their place in a rapidly modernizing world. There's no epic battle here; the conflict is internal and social. The tension comes from watching people navigate love, art, and loneliness in a society that feels both rigid and on the verge of falling apart.

Why You Should Read It

Edschmid writes with a sharp, clear eye. He doesn't waste words. What grabbed me was how modern the anxieties feel—the struggle for authentic connection, the fear of being irrelevant, the quiet desperation in everyday life. These characters aren't heroes; they're just people, beautifully and sometimes painfully observed. Reading it, you get a real sense of the mood in the air just before everything changed, which is something history books often miss.

Final Verdict

Perfect for readers who love character-driven short stories and have a curiosity about the early 20th century. It's for anyone who enjoys authors like Stefan Zweig or Robert Musil, where the real drama happens inside people's heads and hearts. Don't pick this up for a fast-paced plot, but do pick it up for a powerful, atmospheric trip into a pivotal moment in time, told through six unforgettable voices.



🟢 Open Access

This masterpiece is free from copyright limitations. Access is open to everyone around the world.

Paul Robinson
1 year ago

From the very first page, the character development leaves a lasting impact. Exactly what I needed.

Richard King
1 year ago

Loved it.

Paul Lee
9 months ago

I had low expectations initially, however it creates a vivid world that you simply do not want to leave. Worth every second.

Betty Torres
1 year ago

I came across this while browsing and the emotional weight of the story is balanced perfectly. Highly recommended.

Steven Davis
2 years ago

Perfect.

4.5
4.5 out of 5 (16 User reviews )

Add a Review

Your Rating *
There are no comments for this eBook.
You must log in to post a comment.
Log in


Related eBooks